Sieben Jahre erfüllte Zeit

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Rinchnacher Kirche, als Pfarrer Michael Nirschl nach sieben Jahren verabschiedet wurde. Und dass ihm der Abschied selbst nicht leichtfällt, klang schon in der Begrüßung durch. Als versierter Prediger schlug er eine Brücke zwischen dem Hl. Gunther und seinem eigenen Lebensweg.

"Warum ist Gunther nicht in Rinchnach geblieben, warum hat er das von ihm Geschaffene zurückgelassen?", regte Pfarrer Nirschl zum Nachdenken an. Die Antwort findet man beim Apostel Petrus, der auf dem Berg der Verklärung den wohl ergreifendsten Moment seines Lebens festhalten wollte, aber am eigenen Leib erfahren musste, dass das sich Einrichten in einer gewissen Bequemlichkeit nicht funktioniert, dass man schöne Augenblicke nicht einfrieren und konservieren kann. "So gerne ich den Ist-Zustand bewahren möchte, so muss ich doch in diesen Tagen Demut und Gehorsam in allen Facetten erfahren", fasste der Geistliche seinen Gemütszustand zusammen.

 

Als er 2012 erfuhr, dass er künftig dem Pfarrverband Rinchnach und Kirchdorf vorstehen dürfe, ging für ihn ein langgehegter Wunsch in Erfüllung; wusste er doch seit seinem Praktikum im Jahr 2003, dass es in Rinchnach seit 1000 Jahren eine intakte Lebens- und Glaubenskultur gibt. Rückwirkend bezeichnet er seine erste Pfarrerstelle als eines der größten Geschenke seines bisherigen Lebens.

 

Als Priester sei es seine Aufgabe, Jesus zu den Menschen zu bringen, aber "ihr habt Jesus auch zu mir gebracht", sagte Nirschl. Deswegen ließ er es sich nicht nehmen und bedankte sich namentlich bei einigen Personen, mit denen er in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet hatte. Neben Gemeindereferent Florian Kandler, Helen Gigl mit dem Kindergartenteam, PGR-Vorsitzendem Hans Grimm und Kirchenpfleger Herbert Schröder, Schwester Ingridis und seiner Haushälterin Barbara Marchl galt sein Dank ebenso allen an der Liturgie Beteiligten.

 

Gerade auch die Kirchenmusiker gestalteten den Abschiedsgottesdienst abwechslungsreich mit. Der Männergesangsverein unter der Leitung von Karl Handlos brachte sich ebenso ein wie der Effata-Singkreis und die Kinder- und Jugendkantorei mit Chorleiter Josef Dengler. An der Orgel erfüllte Silvia Birnböck einen Wunsch von Pfarrer Nirschl und ließ das Guntherlied erklingen, bei dem auch die Wehmut der Gottesdienstbesucher an vielen Tränen sichtbar wurde. "Es war mir ein Privileg, Teil von Klouster und euer Pfarrer sein zu dürfen", beschloss der zukünftige Stadtpfarrer von Waldkirchen seine Abschiedspredigt. Die Gemeinde dankte ihm für diese Worte und für sein Wirken mit spontanem und von Herzen kommendem Applaus.

Zum Schluss des Gottesdienstes ergriff PGR-Vorsitzender Hans Grimm noch das Wort und sprach im Namen der Pfarrei seinen Dank aus. "Auf dich warten neue Herausforderungen, neue Menschen. Doch die Erinnerungen, die Kontakte und Freundschaften in Klouster bleiben bestehen, denn du hast deine Fußspuren in 1000 Jahren Rinchnacher Kirchengeschichte hinterlassen", fasste Grimm zusammen.

Fast tröstlich in der Stunde des Auseinandergehens zitierte Grimm eine Liedzeile, in der es heißt: "Abschied heißt nicht verlieren, Abschied heißt nicht vergessen, Erinnerung bleibt bestehen". Und er gab Pfarrer Nirschl damit zu verstehen, dass sein seelsorgerliches Dasein tiefe und nachhaltige Eindrücke hinterlassen hat und dass die Verbundenheit mit ihm bleiben wird.

Bürgermeister Schaller ging in seiner Ansprache darauf ein, dass es ein Pfarrer oft nicht leicht hat. "Michael Nirschl zeichnet aus, dass er mit seiner Offenheit und Menschlichkeit Zugang zu den Menschen gefunden hat und Ansprechpartner in allen Lebenslagen war", so der Bürgermeister. Als Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit überreichte er einen Rucksack, prall gefüllt mit vielen Dingen, die man zum Wandern braucht, einer lieben Freizeitbeschäftigung von Pfarrer Nirschl.

Der Seelsorger selbst schaffte es zum Schluss des Gottesdienstes, die spürbar traurige Stimmung in Lachen zu wandeln. "Das war heute eine meiner längsten Predigten und ihr habt trotzdem applaudiert. Das muss ich mir merken." Seine neuen Pfarrangehörigen im Pfarrverband Waldkirchen warnte er mit einem Augenzwinkern schon vor einem harten ersten Jahr, in dem jeder zweite Satz heißen wird: "Aber in Klouster haben wir es so gemacht".

Zeichen der Kollegialität zu seinem Nachfolger Konrad Kuhn, der am kommenden Sonntag installiert wird, war die Bitte an die Gottesdienstbesucher, ihn offenherzig aufzunehmen und ihm Zeit zum Ankommen zu geben.

Beim anschließenden Weißwurstfrühstück in der Schulaula sangen die Ministranten noch einmal ihr Danke-Lied und blickten so zurück auf sieben ereignisreiche Jahre. Der Pfarrgemeinderat, der sich um die Bewirtung kümmerte, verabschiedete sich mit einem Segenslied. Die zahlreich gespendeten Kuchen und Torten versüßten so manchen Abschiedsschmerz und in geselliger Runde tauschte man Anekdoten mit und über den Pfarrer aus.

Die große Verbundenheit mit dem beliebten Seelsorger zeigte sich nochmals in der von Gemeindereferent Florian Kandler geleiteten Dankandacht am Nachmittag, die von vielen Rinchnachern genutzt wurde, um den Dank für die geschenkte Zeit mit Pfarrer Nirschl zum Ausdruck zu bringen und ihm anschließend in seiner Kirche "Auf Wiedersehen und alles Gute" zu sagen. Am kommenden Samstag chauffiert die Rinchnacher Feuerwehr ihren Kameraden und Kreisfeuerwehrpfarrer nach Waldkirchen und "übergibt" ihn sozusagen an seine neue Mannschaft.

 

Von Theresa Reitberger

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